Hallo Captain,
ich weiß, dass du bisher noch keine großen Erfahrungen mit Web 2.0 Diensten wie Wikipedia oder Sozialen Netzwerken wie dem Mircoblogging-Dienst Twitter gemacht hast. Was fasziniert dich an Twick.it?
Hi Sean. Nun, faszinierend finde ich in erster Linie einfach die Möglichkeit, mal eben zwischendurch einen meiner Meinung nach interessanten Begriff anderen Leuten zu erklären. Da ja bei Twick.it das Motto gilt „In der Kürze liegt die Würze“, ist es eine Herausforderung und fast schon ein Puzzle-Spiel, die ausgewählten Informationen auf 140 Zeichen zu komprimieren. Das hat schon beinahe etwas von Zahlen- und Logikspielen. Wie kann ich den Beitrag sinnvoll noch einmal um fünf Zeichen kürzen, ohne relevante Informationen wegzulassen, das ist oft das Problem. Finde ich interessant.

Guck mal da, der Captain.
Die Schwierigkeit dabei ist natürlich stark abhängig von dem verwendeten Begriff. Dinge, die eigentlich nur „definiert“ werden müssen, wie z.B. mein Twick zu Molar, bereiten keine großen Probleme, schwierig wird es aber dann, wenn man ganze Kunstrichtungen wie Dadaismus in 140 Zeichen umschreiben will. Das man dann nicht alle Informationen unterbringen kann, ist selbstverständlich – es stellt sich dann jedoch die Frage, welche Informationen sind entscheidend und charakteristisch?
Jeder hat natürlich andere Prioritäten, aber mich fasziniert auch die Auswahl der zu erklärenden Begriffe. Besonders interessant sind dann die Worte, die eigentlich jeder schon mal gehört hat, aber auf Nachfrage man keine Erklärung bekommt. Solche Begriffe zu finden und zu erklären, macht besonderen Spaß. Wie z.B. die Lofoten – hat sicherlich jeder bereits mal gehört, aber was oder wo sind die noch gleich?
Letzten Endes „bildet“ Twick.it sogar den Autor des Beitrages oft selbst. Denn sobald man nach Information recherchiert und den Twick verbal formt, prägen sich einige Fakten sehr gut ein. Diesen Bildungsfaktor sollte man nicht unterschätzen als netten Nebeneffekt. Um mal wieder beim Beispiel zu bleiben: Wo die Lofoten liegen, werde ich nicht so schnell vergessen…
Du scheinst kein bestimmtes Themengebiet zu bevorzugen, sondern schreibst Erklärungen über Gott und die Welt. Wie kommt ein studierter Zahnmechaniker dazu, Figuren aus den Asterix-Comics wie Gutemine zu erklären?
Also zunächst einmal müsste man den Begriff „Zahnmechaniker“ etwas genauer definieren, um Missverständnissen vorzubeugen. Es gibt Zahntechniker und Zahnärzte, wobei ich zur zweiten Gruppe gehöre. Was die Thematik Asterix anbetrifft, so muss ich betonen, dass mich diese Comics seit früher Kindheit an fasziniert haben. Als ich als 6-Jähriger das Heft „Tour de France“ geschenkt bekam, wurde ein Stein ins Rollen gebracht, der mich sogar dazu verleitete, mich als Kind mit einer Asterix-Wette – leider vergeblich – einmal bei „Wetten Dass…?“ zu bewerben. Durch diese Prägung war es natürlich fast unumgänglich, bei der Suche nach erklärbaren Begriffen relativ schnell mal an Asterix zu denken. Unterstützend kam dann noch die von Markus angekündigte und nach unserem Gespräch u.a. auch mir gewidmete Themenwoche Asterix und Entenhausen, wo ich auch etwas exotischere Asterix-Figuren erklärt habe. Leider habe ich gesehen, dass einige Links zu den Figuren nicht funktionieren, da die Ursprungsseite die Abbildung verweigert – leider. Da ich selbst den Twick nicht mehr bearbeiten kann, herrscht dort Ausbesserungspotential *Augenzwinker*. Apropos Bearbeitung von Twicks: Ich fände es zumindest praktisch, wenn man seine Twicks solange bearbeiten kann, wie der Bewertungsschnitt bei 0 oder insgesamt negativ liegt. Das gibt einem die Möglichkeit, eine Vielzahl der nicht ganz so optimalen Twicks auch später noch zu verbessern. Ansonsten bleibt einem ja quasi nur die Möglichkeit, einen negativen Twick komplett rauszulöschen, damit sein Bewertungsprofil zu verbessern und den Twick dann u.U. anschließend neu zu verfassen.
Und zum Thema „Gott und die Welt“ – nun ja, ich schreibe eben gerne über etwas exotischere Begriffe, die mir zufällig in den Sinn kommen, Dinge die mich privat interessieren oder über die man im Internet, z.B. auf Nachrichtenseiten, zufällig stößt. Ich könnte natürlich auch sämtliche Themengebiete der Zahnmedizin „vertwicken“, aber das würde mir irgendwie keinen Spaß machen und somit nicht unbedingt gute Twicks hervorrufen – ist eben eher was Berufliches.
Recherchierst du, bevor du eine Erklärung auf Twick.it schreibst? Wenn ja: Welche Quellen nutzt du und wie viel Zeit benötigst du für deine Recherche?
Das hängt in erster Linie von dem zu erklärenden Begriff ab. Über den Daumen gepeilt würde ich sagen, dass ich etwa 80 % der von mir geschriebenen Twicks durchaus – manchmal einfach auch nur sicherheitshalber – recherchiere. Dabei nutze ich in erster Linie Google, welches mich aber dann sehr häufig nach Wikipedia weiterleitet. Die Recherche dabei dauert in der Regel nur wenige Sekunden bis Minuten, viel zeitaufwendiger ist dann eher die Kunst, dass erlangte Wissen, wie schon zu Anfang gesagt, auf 140 Zeichen zu komprimieren. Da muss man dann schon einmal 10 bis 15 Minuten probieren und kürzen, bis der Twick dann endlich auch losgeschickt werden kann.
Du bist in kürzester Zeit in die Top 5 der bestbewerteten Nutzer aufgestiegen. Ein Grund ist, dass Nutzer Slottman, der dich persönlich kennt, fast alle deine Erklärungen positiv bewertet hat. Menschen neigen dazu, Informationen von Bekannten eher zu vertrauen. Siehst du darin ein Problem für das Bewertungssystem von Twick.it?
Also ich würde nicht sagen, dass jemand die Twicks anderer Leute eher positiv bewertet, nur weil er den dort gebotenen Informationen eher vertraut, da sich eine bekannte Person hinter dem Schatten des Gravatars verbirgt. Die bei Twick.it gebotenen Informationen sind ja für die meisten Leute insofern inhaltlich (noch) nicht so relevant, dass man auf die 100%ige genaue Richtigkeit angewiesen ist. Dies lässt sich ja so ohne weiteres auch gar nicht überprüfen. In erster Linie muss ich dem Inhalt, der dort geboten wird, schon vertrauen können. Sollte es natürlich mal bei Wer wird Millionär einen Twick.it Joker geben (Wäre doch mal was, würde ich mal bei Jauch nachfragen….*Lach*), dann könnte es natürlich schon von Vorteil sein, wenn man Denjenigen einschätzen kann, der die Infos im Twick hinterlassen hat. Zudem denke ich, dass das Bewertungssystem und die wachsende Zahl an Usern in Zukunft automatisch die 100% Richtigen von den etwas ungenaueren Twicks trennt, so dass man sich dann darauf verlassen kann, dass der am besten bewertete Twick auch vertrauensvolle Informationen liefert, unabhängig ob man den Schreiber kennt oder nicht.
Im Falle der Bewertungsflut von Slottman mir gegenüber ging es einfach darum, wie er mir persönlich sagte, dass er die Themen meiner Twicks einfach interessant fand und meine Arbeit durch seine Bewertungen honorieren wollte. Das hat mich natürlich sehr gefreut, war aber auf den ersten Blick für mich auch nicht einsehbar, warum meine Bewertungszahl quasi über Nacht um 200 Punkte gestiegen ist. Erst eine neugierige Nachfrage bei euch klärte mich auf. Dennoch kam dies zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da parallel dazu Auffälligkeiten bei der Bewertungsmethodik anderer Twick.it User ins Auge fielen, denen ich nachgegangen bin bzw. von denen ich Markus berichtet hatte, so dass Außenstehende leicht hätten denken können, ich hätte über Bekannte oder Zweitaccounts absichtlich meine eigenen Twicks bewertet. Das ist natürlich generell ein Problem des Bewertungssystems. Kleine Manipulation lassen sich so kaum aufdecken, was auch nicht weiter tragisch ist, da sich solche Methoden bei der Masse an Usern und Twicks irgendwann sozusagen „verwaschen“. Ich habe Twick.it zu Beginn seines Online-Daseins mehrmals täglich verfolgt, um euch auch gewissermaßen eine zuverlässige Resonanz zu liefern, daher konnte ich schon verfolgen, wie sich die Bewertungsprofile einzelner User auffällig veränderten. Es zeigten sich manchmal eben statistische Auffälligkeiten, die auch ohne Computeranalyse deutlich wurden. Wenn jemand – sagen wir – seit drei Tagen angemeldet ist und bei 40 Twicks auch 40 Bewertungen ergattert, ist dies schon sehr unüblich, wenn man als Vergleich andere User heranzieht, die wesentlich länger aktiv waren und bei denen lediglich ein Verhältnis von maximal 30 Prozent (Twickzahl zu Bewertungszahl) zu sehen war.
Hand aufs Herz: Wie wichtig ist dir deine Position im Nutzer-Ranking?
Hmm, also die Frage ist schwierig, kann man nicht so eindeutig beantworten. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde, dass mir die Position, zumindest in den Twick-it Anfängen bei einer überschaubaren Anzahl an etwa 20 Usern egal gewesen wäre. Da wird man dann schon von einem gewissen Ehrgeiz gepackt und will sich mit anderen Neuanmeldern messen. Aber auf die eigentliche Position in der Skala kommt es dabei nur bedingt an, wobei das von euch generierte Rankingsystem ja indirekt auch zur Schreibarbeit animiert bzw. animieren soll *Lach*. Ist man erst einmal im vorderen Feld gelandet, will man diese erste Reihe natürlich nur ungern verlassen. Schwimmt man aber im Mittelfeld zwischen anderen unzähligen Gravataren, so ist dieser Effekt deutlich weniger ausgeprägt.
Dieser Aspekt spielt aber in erster Linie bei Neuanmeldungen eine Rolle. Mittlerweile stehe ich der Position ziemlich gleichgültig gegenüber, wobei ich dennoch überzeugt bin, dass die Mehrzahl der Nutzer durchaus ihrer Position in der Rangliste bzw. ihrem Bewertungsschnitt eine große Beachtung schenken. Das ist schließlich auch der Grund, warum es durchaus den ein oder anderen Manipulationsversuch bei den Bewertungen geben hat und auch geben wird.
Viel interessanter ist aber eher das Verhältnis von Twick-Zahl zu Bewertungen. Nach dem Motto „Der Applaus ist die Nahrung des Künstlers“ halte ich es schon für wichtig, dass die Schreibarbeit angemessen honoriert werden sollte im Sinne von Bewertungen als Applaus. So etwas hält das System in Gang und motiviert zu weiterer Aktivität. Ist eben schon schade, wenn jemand viel Zeit investiert und z.B. 100 Twicks schreibt, dafür aber nur – sagen wir – 20 Bewertungen bekommt.
Durch diesen Eifer, der sicherlich eine Vielzahl von Tick.it Usern antreibt, resultieren aber letztendlich auch Probleme mit Manipulationsversuchen oder Selbstbewertungen.
Dabei kommt es ja nicht unbedingt darauf an, die Leute in einer Art Rangliste zu sortieren, ich denke es würde auch schon ausreichen, die User mit einem Art Ordensystem (ähnlich den Sternen bei eBay) zu versehen und deren Gravatare in Art Gruppen zu sortieren. Zum Beispiel User mit mehr als 50 Bewertungen, mehr als 100 Bewertungen usw. Das würde einem möglichen Konkurrenzkampf stark Einhalt gebieten und dennoch motivieren. Selbstverständlich wäre auch eine zusätzliche Beibehaltung der absoluten Rangliste möglich.
Ich denke, eine solche Methodik könnte das System weiter verbessern. Ich persönlich, um wieder auf die anfängliche Frage zurückzukommen, finde es mittlerweile wie gesagt irrelevant auf welcher Position ich rangiere. Schade finde ich es lediglich, wenn ich sehe, dass manche Twicks negativ bewertet wurden, ohne den Grund dafür zu erkennen. Auch wenn mir als Twick.it-Betatester kein konkreter Fall bewusst geworden ist, so denke ich schon, dass manche User u.U. einen 4 Punkte vor ihm liegenden Mitschreiber einfach mal so einige Male negativ bewerten, um in der Rangliste an ihm vorbeizuziehen. Solche taktischen Bewertungen sollten natürlich auf das Minimum reduziert werden.
Generell halte ich die Option mit dem Negativ-Voting sowieso für schwierig. Vielleich würde die zusätzliche Einführung eines „Neutral“-Buttons helfen für akzeptable, aber noch verbesserungsfähige Twicks. Kritisieren ist ja bekanntlich immer einfach, besser machen ist die Kunst. Daher würde ich vorschlagen, dass man nur dann negativ bewerten kann, wenn die betreffende Person einen vermeintlich bessern Twick zum Thema verfassen muss und sich damit ebenfalls dem Bewertungssystem öffnet.
Da ein Bewertungssystem bzw. virtuelles Entlohnungssystem – ich zitieren wieder den Vergleich mit dem Künstler – quasi ein Muss ist, um den Eifer der Schreiber beizubehalten, könnte man dies auch in anderer Hinsicht weiter ausbauen, wie z.B. Derjenige mit den meisten Twicks pro Woche bekommt das Prädikat Twicker der Woche und erscheint auf der Startseite o.ä.
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