Braucht Twick.it ein Forum?
Als wir die Erklärmaschine entwickelt haben, wollten wir eine Sache von vornherein vermeiden – den Edit War. Keiner braucht die endlosen frustrierenden Diskussionen um Inhalte, Nebensächliches und persönliche Animositäten. Immer wieder bekommen wir jedoch von Nutzern zu hören, dass sie eine Diskussionsplattform haben wollen. Reichen der Blog, Direktnachrichten und das Support System zur Kommunikation nicht aus? Braucht Twick.it ein Forum als zusätzliches Diskussion- und Informationsplattform für die Nutzer? Und wenn ja, wie könnte das aussehen und wer kümmert sich darum?
Ein Forum bietet nicht nur eine Arena für aktive Nutzer, die sich konstruktiv beteiligen, sondern auch für Nervensägen, Trolle und Selbstdarsteller: Hier kann jeder nach Herzenslust loben, klugscheißen, korrigieren, rechtfertigen, beschimpfen, Quellen zitieren, auf ominöse Insider-Regeln verweisen. Durch diese intensive Auseinandersetzung mit anderen aktiven Nutzern entsteht im besten Fall eine Community. Beispielhaft sind die Diskussionsseiten der Wikipedia.
Allerdings zeigt das Beispiel der Wikipedia auch den Nachteil eines Forums. Es bildet sich eine Elite, die ein ausuferndes Regelwerk aufstellt, woraus Edit War und Zermürbungserscheinungen resultieren, wenn neue Nutzer immer wieder die gleichen Fragen stellen und die gleichen Vorwürfe gegen die Traditionalisten, die langjährigen Nutzer der Plattform, erheben.
Keine Elite in der Erklärmaschine
Ein elementarer Grundsatz von Twick.it ist, alle Nutzer gleich zu stellen. Wir wollten eine Enzyklopädie ohne Administratoren schaffen. Ein Forum jedoch würde einen erheblichen Betreuungsaufwand bedeuten – für Qualitätssicherung, Technik, Server usw. Wer soll sich darum kümmern? Und mit welchem Recht sollten wir einzelne, wenn auch wohl verdiente Nutzer herauspicken, um ihnen spezielle Aufgaben und Rechte zu übertragen? Es bringt auch nichts, wenn die Community sich die Sheriffs selber wählt. Wo Macht über Ressourcen und Mitmenschen zur Verfügung gestellt wird, wird sie auch ausgenutzt werden – und Missgunst hervorrufen.
Bewerten statt diskutieren
Bei der Wikipedia haben Löschdiskussionen um MoGIS u.a. Themen im letzten Jahr eine riesige Debatte ausgelöst. Die Ironie daran ist: Die Diskussionen um die Löschungen sind oft länger als die Artikel selbst. Bei Twick.it wäre das natürlich noch extremer. Machen seitenlange Diskussionen Sinn, wenn es um einen Satz von 140 Zeichen geht? Ich meine nicht. Darum lautet einer der Grundsätze von Twick.it: „Bewerten ist effizienter als diskutieren.“
Vorteile eines Forums
Auf der anderen Hand sehe ich auch die Vorteile eines Forums: Wir würden (zumindest von regelmäßigen Nutzern) weniger Support-Anfragen erhalten und gleichzeitig mehr Feedback. Ein zweischneidiges Schwert. Das Forum schafft einen Fokus auf die Belange der Power-User. Der Gelegenheitsnutzer will doch einfach nur eine kurze Erklärung für einen bestimmten Begriff. Verlieren wir durch ein Forum diese Nutzer aus den Augen? Ein weiterer Vorteil des Forums ist Transparenz: Die Diskussion um die Ausrichtung von Twick.it wie auch um inhaltliche Fragwürdigkeiten innerhalb von Twicks wird in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Letztendlich führt das aber zur Frage:
Wer entscheidet?
Twick.it ist eine Enzyklopädie von allen für alle. An diesem Statement werde ich mich messen lassen. Ohne eine gewisse Hierarchie kann jedoch keine Plattform funktionieren, wenn sie nicht in der Anarchie der Beliebigkeit versumpfen soll. Bei Twick.it versuchen wir, drei Dinge unter einen Hut zu bringen:
- Wir wollen möglichst viele Nutzer beteiligen
- Wir wollen keine Administratoren
- Wir müssen schnelle Entscheidungen treffen können
Also haben wir es bisher so gehalten: Was die Mehrheit will, wird von Markus und mir umgesetzt. Schnell, effektiv und demokratisch. Markus und ich sehen uns in diesem Prozess nicht als selbstherrliche Erfinder der Erklärmaschine, sondern als Exekutive der Community, der Gemeinschaft der Nutzer. So wurde gegen meinen Willen zum Beispiel die Löschfunktion eingeführt.
Wie könnte ein Forum aussehen?
Auch wenn ich gegen ein Forum bin, versuche ich, offen für Alternativen zu sein. Also frage ich mich: Wie könnte ein Forum bei Twick.it aussehen? Sollte es themengebunden oder frei sein? Kann jeder Nutzer einen Thread erstellen – oder erst, wenn er eine bestimmte Anzahl positiver Bewertungen erhalten hat? Wie verhindert man automatisierten ? Spam? – mit CAPTCHA? Wie verhindert man das Kapern eines Threads? An welcher Stelle der Website sollte das Forum eingebunden werden? Sollte es aus dem Twick heraus die Möglichkeit geben, einen Thread zu einem Thema zu erstellen?
Gibt es Alternativen zu einem Forum?
Was ist mit Google Friend Connect oder Reqorder? Es gibt von einigen Internetdienstleistern kleine Tools, die eine direkte Kommunikation zwischen den Nutzern ermöglichen – auch ohne das die ganze Diskussion gespeichert und mit der Zeit in digitalen Stein gemeißelt wird. Den Nachteil sehe ich darin, dass man bei diesem externen Dienstleister angemeldet sein muss – was wieder einige Nutzer ausschließt. Trotzdem die Frage: Wie wär’s mit so einer Lösung? Wer hat Erfahrungen in diesem Bereich?
Ich habe mich geoutet. Jetzt seid ihr dran. Wer hat Vorschläge für eine Diskussionsplattform, die wenn möglich nur konstruktiv und nicht destruktiv ist?
Schlagwörter: Community, Forum, Konzept, Nutzer
Lieber Sean,
um ganz hinten anzufangen: Da davon ausgegangen werden muss, dass bei einem Dienst wie twick.it auch dann und wann Unbrauchbares eingestellt wird, muss die Community eine gewisse destruktive Kraft besitzen. Wichtig ist nur, dass es jeweils die Community ist, die darüber befindet, und es keine autokratische Entscheidung der Macher ist, wie Du richtig schreibst. Aber braucht man dazu wirklich ein Forum im landläufigen Sinne?
Der Gedanke, die Forumsdiskussion in die User-Gemeinschaft selbst einzuspeisen, wie es mit diesem Artikel geschieht, ist ebenso naheliegend wie richtig. In meinen Augen spricht am meisten gegen ein ausgewachsenes Forum mit endlosen Threads, Edit Wars u. dgl., dass es den Grundgedanken von twick.it konterkariert – und der liegt doch in der würzigen Kürze. An Erklärungen von 140 Zeichen Länge lange Debatten anzuschließen, halte ich für nachgerade grotesk. Ich möchte das am Beispiel der hier angebotenen 140-Zeichen-Erklärung für eine von Sean selbst am Ende seines Artikels genannte Alternative verdeutlichen. Über "reqorder" heißt es auf twick.it: "Feedback-Formular für Nutzer von Webseiten. 'Gibt Nutzern eine Stimme', um eine Community zu schaffen." Diese Erklärung ist denkbar knapp und beschreibt daher auch nicht sämtliche Features des Dienstes. Das ist angesichts von 102 Zeichen länge völlig klar und nicht das Entscheidende an der Erklärung. Entscheidender Qualitätsmaßstab für twick.it-Erklärungen ist, ob sie die Essenz des Beschriebenen transportieren – und das tut die obige Erklärung von "reqorder" durchaus.
Um die Nutzer-Gemeinschaft darüber befinden zu lassen, ob die wechselseitig angebotenen Erklärungen jeweils essentielle Informationen enthalten (und wie gut diese sprachlich verpackt sind), braucht es keinen Ort, an dem man sich ähnlich lang darüber auslassen kann, wie ich mich gerade zu der Frage auslasse, ob tiwck.it ein Diskussionsforum braucht. Was es dazu braucht, ist Dreierlei:
1. Eine Bewertungsfunktion für Erklärungen, damit das Urteil der Vielen die Spreu vom Weizen zu trennen vermag. Diese Funktion gibt es bereits.
2. Die Möglichkeit für die Nutzer, in Kontakt zum Autor einer Erklärung zu treten. Auch diese Möglichkeit gibt es auf twick.it bereits.
3. Eine zeichenbegrenzte Kommentarfunktion für Einträge, die drei unterschiedliche Nutzergruppen gemäß ihrem jeweiligen Anspruch an den Dienst je unterschiedlich nutzen können sollten: erstens nicht angemeldete Leser, die anonym bleiben möchten; zweitens nicht angemeldete Leser, die ihr Feedback durch Angabe ihrer Mailadresse personalisieren möchten und dadurch einen Dialogkanal öffnen; drittens die bei twick.it angemeldeten Leser/Autoren.
Da das Feedback zu den Einträgen in seiner Relevanz ebenfalls von der Gemeinschaft bewertet werden sollte (nur relevantes Feedback ist nützliches Feedback), braucht diese Kommentarfunktion ihrerseits eine Bewertungsfunktion. Nun ist es wichtig, dass die Bewertung von Beiträgen und die Bewertung von Kommentaren zu den Beiträgen getrennt gehandhabt wird. Warum?
Ein Beispiel: Auch wenn ich der Auffassung bin, dass ein Eintrag bei twick.it nicht gut ist, muss ich einem Kommentar, der diesen Eintrag in Bausch und Bogen verdammt, längst nicht gut finden. Im Gegenteil: Nützlich ist eine Kritik nur dann, wenn sie auch konstruktiv ist. Ist sie das nicht, werde ich sie herab voten, auch wenn ich grundsätzlich mit ihr übereinstimme, was die Kritik an besagtem Eintrag angeht.
Wir, die Entwickler des Dienstes "reqorder", haben in mit unseren Beta- und Pilotkunden die Erfahrung gemacht, dass das es funktioniert, die Relevanz von Feedback über eine Abstimmungsfunktion festzustellen. Schreihälse müssen nicht, wie bei einem Forum, aufwändig niedergeschrieben werden, sondern sie werden einfach durch hundertfache Klicks der Masse mundtot gemacht. Ein Feedback, dass hunderfünfzig negative Votes, aber nur drei positive hat, braucht von den Betreibern der Site nicht in Betracht gezogen werden. Ist es adersherum, tun die Betreiber gut daran, den Autor des Eintrags um Verbesserung zu bitten und ihm dazu das herein gekommene Feedback zur Verfügung zu stellen. Bis dieser Prozess der Qualitätsprüfung durch die Menge und der Feststellung der Relevanz dieser Prüfung abgeschlossen oder zumindest bis an einen gewissen Punkt gelangt ist, sollte ein Eintrag ohne anhängende Diskussionsthreads eines Forums als das stehen, was er ist: als ein mit besten Absichten und nach bestem Wissen unternommener Versuch der Erklärung von etwas mit maximal 140 Zeichen Länge. Es gibt auch im Social Web ein Autorenrecht, das zu achten ist. Die Auslagerung von Feedback in einen Dienst, der nicht automatisch hartverdrahtet mit den Erklärungen ist, trägt dieser Achtung Rechnung.
Gleichzeitig sollte es für Angemeldete oder solche, die bereit sind, sich dafür anzumelden, die Möglichkeit geben, in einer Feedback-Community miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und meinetwegen auch in einer epischen Breite, der ich mich hier befleißige, über Einträge und die Kommentare dazu auszulassen. Das Entscheidende daran ist, dass eine solche Diskussion in meinen Augen nichts hier an Ort und Stelle zu suchen hat. Die Nützlichkeit von twick.it besteht in der Übersichtlichkeit. Was die Kommentierung und Bewertung von Einträgen angeht, sollte hier also nur so viel auftauchen:
1) ein Überblick über positive/negative Bewertungen des Eintrags;
2) ein Überblick über die Anzahl der Kommentare mit max. 140 Zeichen zu dem Eintrag und deren positive/negative Bewertungen;
3) die Möglichkeit selbst einen max. 140 Zeichen langen Kommentar zu schreiben;
4) die Möglichkeit in die Feedback-Community zu wechseln, um die Kommentare anderer zu lesen, zu bewerten und untereinander in Kontakt zu treten.
Wir bei "reqorder" haben uns sehr intensiv zum Thema Gedanken gemacht, wie man einen effizienten und vom Inhalt der jeweiligen Site möglichst wenig ablenkenden Feedback-Kanal anbieten kann. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass dies nur durch eine sich grafisch nicht in den Vordergrund drängende Ad-on-Applikation erreicht werden kann, die folgende Kriterien erfüllt:
1. Sie muss die Abgabe qualitativen Feedbacks ermöglichen (gut/schlecht reicht nicht aus).
2. Sie muss den Kontext erfassen (an welcher Stelle, an welchem Punkt der Session gibt der User Feedback ab?).
3. Sie darf dem Nutzer keine Einstiegsbarrieren wie eine Anmeldung aufbauen.
4. Sie darf vom Nutzer die Konnektierung des Feedbacks mit persönlichen (Kontakt-)Daten nicht erzwingen, muss dies aber erlauben, falls gewünscht.
5. Sie braucht im Hintergrund eine Community, die von den so stark involvierten Power-Usern zum Austausch und zur Verwaltung ihres Feedbacks genutzt werden kann.
All das haben wir mit "reqorder" umzusetzen versucht. Ob es uns gelungen ist, weiß ich nicht – das müssen wiederum die Nutzer dieses Dienstes entscheiden. Ihr Feedback wird mit darüber entscheiden, wie "reqorder" weiterentwickelt werden wird. Die Einsatz auf twick.it wäre in dieser Hinsicht ein wichtiger Schritt.
Mit herzlichem Gruß,
Tobias
Die Idee von Tobias, 140-Zeichen-Kommentare an Twicks anhängen zu können, finde ich ausgesprochen interessant.Es schützt natürlich nicht davor, dass auch in diesen Kommentaren der Autor beschimpft wird.
Möglicherweise hier anzudenken: Die Kommentare kann nur der Autor des Twicks sehen. Öffentliches Getrolle fällt dadurch weg.
@tobias & @norro Sehr interessante Ideen. Werde selber erst mal nicht kommentieren, um zu sehen, was noch für Vorschläge bzw. Ergänzungen kommen.
Wenn ich den Reqorder richtig verstehe, geht es bei dem Tool darum, dass Besucher dem Seitenbetreiber ihre Meinung mitteilen.
Andere User können dem Feedback zustimmen ("ja, das sehe ich genauso" -> Daumen rauf) oder widersprechen (Daumen runter). Der Webseiten-Betreiber bekommt so gebündeltes Feedback.
Ich frage mich nun aber, ob auch User untereinander kommunizieren können? Nehmen wir an, ein User schreibt, dass Pluto ein Planet ist. Kann ich dann kommentieren, dass dies nach neusten Planeten-Definitionen mittlerweile nicht mehr so ist?
Anderes Beispiel: Kann ich meinen Twick zur Diskussion stellen? Kan nich also die Community fragen, was an meiner Erklärung so schlecht ist, dass sie 24 Minuspunkte bekommen hat?
Der Reqorder kann ein gutes Tool sein, aber wahrscheinlich nur in Richtung Nutzer->Webmaster. Nicht aber NutzerNutzer.
Jimmy Wales hat gerade Wikia ins Spiel gebracht. http://twitter.com/jimmy_wales/status/10613336691 Wie wärs damit?
Auf dieser Seite werden Unterschiede zwischen Forum und Blog diskutiert. http://www.endusersharepoint.com/2009/02/03/discussion-board-vs-blog/
Diskussions-Plattform für Twick.it-Nutzer? Ich schreibe gerade ein Anforderungsprofil für Reqorder. Noch könnt ihr eure Wünsche einbringen.
Habe gerade ein spannendes Interview mit Prof. Kruse gefunden "Wie erzeuge ich intelligente Bewertungssysteme für Plattformen": http://www.youtube.com/watch?v=l1hmD0mga9Y
[...] haben, wollten wir das reine Wissen in den Mittelpunkt stellen. 140 Zeichen pure Information. Ohne „unnötige“ Diskussionsseite, ohne Benachrichtigungssystem, ohne Edit WarwpTwickitLinkInit("dummy0.93602700 1310115252308", [...]




