Julia Dombrowski arbeitet als selbstständige Texterin und Lektorin und twickt unter dem Namen Textsektor. Bei Twitter ist sie besser als @NieWiederClaire bekannt.

Und so sieht sie aus, die Julia
1. Als Texterin bringst du alles mit, was man zum Twicken braucht: Spaß an Sprache und ein Faible fürs Erklären. Macht deine berufliche Erfahrung das Twicken leichter – oder sogar schwerer?
Schwerer. Mein Anspruch an mich selber ist nämlich besonders groß. Ich twicke zwar zum Privatvergnügen, dennoch sind meine Twicks ja bleibende Zeugnisse meiner Fähigkeit, mich präzise und verständlich auszudrücken – oder eben nicht. Da kann ich schlecht zwischen hauptberuflicher Texterin und privater Twickerin trennen. Aber die Herausforderung ist gleichzeitig eine Chance: Ich habe die Möglichkeit zu zeigen, dass ich sprachlich auf den Punkt kommen kann. Ganz öffentlich. Deshalb ziehe ich neben Spaß an der Sache auch noch Eigennutz aus der Twickerei. Sofern ich denn eine gute Twickerin bin, sonst setze ich mich in die Nesseln – dieses Risiko ist mir absolut bewusst.
2. Auf Twitter bist du im regen Austausch mit anderen Texterinnen. Was müssen wir machen, um diese von Twick.it zu begeistern?
Fragt sie doch am besten selbst. Twitternde und bloggende Texterinnen verbindet vor allem eines: Sie sind naturgemäß alle überdurchschnittlich kommunikativ. Aber wenn ich raten sollte, würde ich sagen, dass sie Spaß an sprachlichen Herausforderungen haben und leicht spielerischen Ehrgeiz entwickeln. Und alle twitternden Texterinnen, die ich näher kenne, bewegen sich zudem absolut professionell im Web 2.0, kennen die Möglichkeiten, die Plattformen und soziale Netzwerke beruflich bieten. Twick.it ist ja durchaus eine Chance für Eigen-PR, die Textprofis ebenso wie Marketingfachleute für sich selbst, aber auch im Kundenauftrag nutzen können. Nicht durch nervige Werbelinks zu Produkt X oder Dienstleistung Y, sondern indem man zeigt: Ich kenne mich in meiner Branche aus. Geteiltes Wissen ist schließlich fast immer ein Indiz dafür, dass dahinter noch viel mehr Know-how steckt. Ich bin sicher, mit dem fortschreitenden Bekanntwerden von Twick.it wird das für viele ein wichtiges Argument zum Mittwicken werden.
3. Du hast die Twick.it-Aktionswochen ins Leben gerufen. Was hast du dir dabei gedacht, und bist du mit dem Ergebnis zufrieden?
„Ins Leben gerufen“ ist eine interessante Formulierung dafür, dass ich Markus beim Mittagessen mal vorgeschlagen hab: „Macht doch Aktionswochen.“ Meine Idee hinter dem Vorschlag war jedenfalls ungefähr diese: Ich finde es als Twick.it-Nutzerin nicht immer ganz leicht, Themen zum Twicken zu finden. Wäre ich die anerkannte Expertin schlechthin für Weinsorten, klar, dann würde ich mein Wissen über Wein teilen. Bin ich aber nicht. Ich gucke zwar gerne Filme, aber deshalb bin ich keine Filmexpertin. Ich bewege mich viel im Web 2.0, bin deshalb aber noch lange keine Internet- oder Social-Media-Expertin. Diese „Ich bin aber doch keine Expertin“-Scheu, diese besondere Art der Schwellenangst, kann eine Aktionswoche nehmen, denke ich – weil ihre Botschaft lautet: „Erklär doch einfach Begriffe aus deinem direkten Umfeld, denn selbstverständlich kennst du dich in den Elementen deines Alltags aus und kannst Wissen teilen.“ Und einen ganz profanen Zweitnutzen kann eine Aktionswoche auch haben: Sie ist die Antwort auf jedes „Mir fällt aber gar nichts ein“.
Die Aktionswochen sind ja erst mal wegen mangelnder Teilnahme eingestellt, was ich auch vernünftig finde. Ich glaube, wenn Twick.it eines Tages richtig viele Nutzer hat – und jetzt meine ich Twitter-Dimensionen –, dann könnten sich solche Thementage noch bewähren. Oder aber sind bis dahin komplett überflüssig geworden, weil Twick.it zum Selbstläufer wird – das wird man dann sehen, richtig?
4. Ein weiterer Vorschlag von dir sind die „Definitionen gesucht“-Listen: Was soll das sein – und was soll es bewirken?
Die Idee dahinter ist in etwa dieselbe wie die hinter den Aktionswochen: Eine Themenvorgabe kann motivierte, aber ideenlose Twickerinnen und Twicker inspirieren. Ich gebe mal ein plattes Beispiel; ob es realistisch ist, sei bitte dahingestellt: Ich halte mich für einigermaßen sattelfest beim Thema Grammatik. Betriebsblind, wie ich bin, würde ich nicht auf die Idee kommen, einen für mich selbstverständlichen Begriff wie „Verb“ zu definieren. Mal angenommen, eine Studentin gibt Nachhilfeunterricht im Fach Deutsch, und ihr Schüler tut sich mit der Unterscheidung von Tu- und Wiewörtern schwer. Sie sucht eine Kurzdefinition, die sie ihm zum Auswendiglernen geben kann, weil ihr selbst keine griffige einfällt. Auf Twick.it ist aber noch kein passender Eintrag vorhanden. Eine „Definitionen gesucht“-Liste könnte eine Art Schwarzes Brett für Erklärungsgesuche sein. Ich würde mich von der Nachhilfestudentin angesprochen fühlen, weil das Thema zu mir passt – und ein neuer Twick wird geboren.
Andere Idee: Motivierte Twick.it-Betreiber wecken den Spieltrieb ihrer User, indem sie besonders knifflige Begriffe in den virtuellen Raum werfen und ihre Wortakrobaten zum Wettkampf auffordern: Wer definiert am griffigsten „Matriarchat“, „Kategorischer Imperativ“ oder „Liebe“? Mich persönlich spornt natürlich die Idee an, dass ich durch mein Twick.it-Engagement zu einer besseren Welt mit freiem Zugang zu Wissen für alle beitrage, Laber Rhabarber Blubb-Blubb – aber ganz ehrlich: Ich will auch meinen Spaß. Ich suche Ansporn und hin und wieder sogar Wettkampf. Ich halte das für menschlich und verzeihe mir das vorsorglich einfach mal selber.
5. Was ist dein Lieblings-Twick – und warum? Anders gefragt: Was zeichnet für dich einen guten Twick aus?
Mein Lieblings-Twick? Ich glaube, ich habe ebenso wenig einen, wie ich „Lieblingswissen“ habe. Das beantwortet vermutlich die zweite Frage: Korrekt muss der Twick meines Herzens sein, und zwar bis zum letzten Zeichen. Ich bin sicherlich durch meinen Beruf geprägt, aber wenn ich korrektes Wissen in schlechter Form sehe, ist der Twick in meinen Augen nicht gut. Allerdings weiß ich, dass ich übertrieben strenge Maßstäbe anlege und würde einen Twick nicht schlecht bewerten, weil Stil und Grammatik hoppeln und ein Rechtschreibfehler drinsteckt. Gut bewerten will ich ihn dann aber auch nicht, ich kann da nicht über meinen Lektorinnen- und Texterinnenschatten springen. Ich enthalte mich in diesen Fällen eines Urteils. Außerdem mag ich Twicks, die das Wesentliche eines Begriffes erfassen, ohne dafür unbedingt einen weiterführenden Link zu brauchen.
Schlagwörter: Feedback, Julia Dombrowski, Texsektor
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Ich bin auch Texter und sehe hier ein großes Problem: die Auftrags-Mentalität. Viele Texter (be)schreiben nur, was andere ihnen auftragen. WAS FÜR EINE VERSCHWENDUNG VON TALENT!
Gerade darum liebe ich das Web 2.0. Hier bestimme ich selber die Regeln. Ich veröffentliche lustige Kinderreime in meinem Blog, twittere über Social Media und kommentiere, was das Zeug hält. Bei Tim O'Reilly http://www.oreilly.de/artikel/web20_trans.html habe ich gestern gelesen, dass ich damit Teil eines kognitiven Filters im Internet bin. Ich bin eine (ziemlich aktive) Zelle im Vorderhirn des WWW. Das gefällt mir.
"… würde einen Twick nicht schlecht bewerten, weil Stil und Grammatik hoppeln und ein Rechtschreibfehler drinsteckt."
Oh, da bist Du eiserner als ich es bin. Ich bin kein Texter, habe professionell mit dem Verfassen von Text nichts zu tun, aber das koennte ich nicht. Wenn ich einen Twick mit Rechtschreibfehlern oder Deppenleerzeichen sehe (auch gerne mal bei den Twcik.it-Gruendern
, gibts nen Daumen runter. Fuer mich gehoert das auch zu nem anstaendigen Twick dazu.




