Wikwikit zieht die Notbremse
Seit Monaten warten wir darauf, dass sich bei unserem Wettbewerber, der Mikro-Enzyklopädie mit dem lustigen Namen Wikwikit etwas tut. Und dann das….
[Anmerkung der Chefredaktion: Der folgende Text spiegelt ausschließlich die Meinung von Sean wider. Markus sieht das komplett anders und wird sich zu einem späteren Zeitpunkt dazu selber äußern.]
Alle Mann über Bord!
Offensichtlich haben sich die Jungs von Wikwikit meine Verbesserungsvorschläge sehr zu Herzen genommen. Sie haben alles, aber auch wirklich alles, über Bord geworfen, was nicht niet- und nagelfest war: die Mehrsprachigkeit, das Tagging und die von Twitter abgeguckten Listenfunktionen. (Das meiste davon hat zwar ohnehin nicht funktioniert, aber die Ideen waren zumindest gut.) Wo sie schon mal dabei waren, haben sie ihre eigene Community gleich mit abgeschafft.
Jetzt kann man die Kurzerklärungen nicht mehr editieren, nicht mehr diskutieren und es gibt auch keine Versionsgeschichte. Das Einzige, was zum Start der offenen Betaphase übrig geblieben ist, ist der automatisierte Import von Wikipedia-Einleitungssätzen – und natürlich die Werbung. Damit hat Wikwikit meine ketzerische überspitzte treffende Formulierung, sie seien nur ein „Wikipedia in Kurz“ übererfüllt. Bravo!
Auf dem falschen Weg
Selbsterkenntnis ist der Weg zur Besserung? Fraglich. Im Artikel zur Ankündigung der offenen Beta-Phase bekennen die Enzyklopädisten von Wikwikit auf jeden Fall freimütig, dass sie sich total verzettelt haben. Zitat:
… we took away most of the features of the site. There’s a reason for this.
We’ve been developing Wikwikit for about a year now. After the launch of the closed Beta about 6 months ago we kept developing different features like mad, and lost the focus a bit. [...]
Ohne Vision und ohne Mut
Im weiteren Verlauf erklären sie, dass Sie eigentlich nur Kurzerklärungen für Smarthones anbieten wollen, weil das andere Enzyklopädien angeblich nicht können. Häh? Für Wikipedia gibt es doch schon ganz gute Apps? Ehrlich gesagt bin ich von der Kurzsichtigkeit der Wikwikit-Vision ziemlich enttäuscht. Dann schon lieber Größenwahn: Erklärtes Ziel von Twick.it ist es, User Generated Description weltweit auf allen Internetanwendungen, elektronischen Geräten und Applikationen zur Verfügung zu stellen.
Automatisierte Selbstbedienung bei Wikipedia
Wie auch immer: Ab sofort beschränkt sich Wikwikit darauf, Artikel aus der Wikipedia mittels eines automatisierten Algorithmus zusammenzufassen. Im O-Ton: „We summarize the whole Wikipedia with a cool algorithm.” Ehrlich gesagt bin ich mir nicht so sicher, ob man die Inhalte der Wikipedia, die ja unter CC-Lizenz stehen, so ohne weiteres (d.h. ohne Quellenangabe) anzapfen darf. Auf jeden Fall finde ich es moralisch bedenklich. Meiner Meinung nach werden damit die Bemühungen der Wikipedia-Community, die redlich um jeden Artikel diskutiert, entwertet.
Inhalte als Werbeträger
Der Vorteil des automatisierten Imports von Wikipedia-Artikeln ist klar. Man kommt schnell zu Inhalten, die von Suchmaschinen gefunden werden und auf die man dann Werbung platzieren kann. Als Nutzer von Wikwikit kann ich ab sofort nämlich nur noch eins tun, sagen, ob mir die Definition gefallen hat oder nicht. Wenn nicht, fliegt sie aus der Datenbank wieder raus. Auf diese Weise hat Wikwikit inzwischen 30.000 „geprüfte“ Artikel gesammelt. Herzlichen Glückwunsch!
Der Tod einer Mitmach-Enzyklopädie
Ich habe gerade noch mal in Wikwikit nach „Wikwikit“ gesucht. Was rauskommt seht ihr im Bild.
Laut Definition der Gründer kann jeder mitmachen, coole Erklärungen erstellen und verbessern. Ich frage mich nur: WIE?! Wie kommt diese Definition in die Datenbank? Und wer soll diese Definition jetzt „verbessern“? [Ich würde übrigens als erstes den Punkt hinter dem Ausrufezeichen löschen.] Denn einen Eintrag zu Wikwikit gibt es in der englischsprachigen Wikipedia nicht!
Das ist – gelinde gesagt – Beschiss! Wenn ich das richtig verstanden habe, besteht die einzige Möglichkeit jetzt noch etwas zu Wikwikit beizutragen darin, einen Artikel in der englischsprachigen Version von Wikipedia anzulegen und darauf zu hoffen, dass diese irgendwann vom Wikwikit-Algorithmus ausgelesen wird und das Ergebnis von einem zufälligen Smartphone-Nutzer für gut befunden wird. Mit dem Web 2.0-Gedanken hat das nichts mehr zu tun.
Wie würdest du das neue Wikwikit definieren?
Um mal etwas Konstruktives beizutragen, habe ich eine eigene knapp 140 Zeichen kurzen Definitionsversuch für Wikwikit unternommen.
Würde mich natürlich freuen, wenn ihr auch einen Twick zu der neuen Mikro-MachnichtmitklickteinfachdieWerbung-Enzyklopädie schreiben würdet.
Kritik ist (nicht) gewünscht
Zum Schluss Ihrer Mitteilung betonen die Jungs von Wikwikit noch einmal, dass sie in Zukunft mehr auf ihre Nutzer hören wollen, um ihre Mikro-Enzyklopädie „marktgerecht“ weiterzuentwickeln. Das kann ich nicht bestätigen. Ich wurde von ihrer Facebook-Fanpage ausgeschlossen. Auch meine Kommentare im Wikwikit-Blog (siehe Abbildung) werden grundsätzlich nicht veröffentlicht. Zugegeben bin ich ein eher kritischer Nutzer – aber auch Kritik sollte in Zeiten des Web 2.0 ernst genommen und nicht unterdrückt werden, oder?
Markenstreit: Twick.it versus Wikwikit?!
Lasst but not least haben wir erfahren, dass unsere Wettbewerber auf ihre ursprüngliche Domain Wikwik.it verzichten, da die Ähnlichkeiten zu Twick.it immens hoch und markenrechtlich sehr heikel sind. Was soll man dazu noch sagen? Wir prüfen auf jeden Fall zurzeit unsere Optionen.
Wie gesagt, dieser Artikel präsentiert ausschließlich meine persönliche, unreflektierte Meinung. Mich würde sehr interessieren, wie ihr das seht, bevor Markus seine Version der Geschichte hier vorstellt.
Schlagwörter: Enzyklopädie, Web 2.0, Wikipedia, Wikwik.it
Name und Claim sind bei wikwikit so deutlich von twick.it abgekupfert, also deutlicher geht es ja kaum! Etwas mehr Kreativität kann man doch erwarten, oder?








