Das Henne-Ei-Problem einer Mitmach-Enzyklopädie
Als frischgebackene Web 2.0-Enzyklopädie hat Twick.it ein scheinbar unlösbares Problem: Neue Nutzer (Hennen) suchen nach Erklärungen (Eier), aber wenn sie keine Eier finden, laufen die Hennen davon. Wie können wir also die produktiven Hennen bei der Stange halten, während wir mühsam ein Ei nach dem anderen ins Twick.it Nestchen legen? Um dieses Rätsel zu lösen, sind wir nach Bremen gefahren und haben den Unternehmensberater und Web 2.0-Experten Peter Kruse besucht. In den Video-Interviews erklärt Peter Kruse den Unterschied zwischen Wikipedia und Twick.it, warum das Prinzip der Erklärmaschine für Unternehmen interessant sein könnte und was Autogenes Training damit zu tun hat. Viel Spaß.
Alltagsnutzen statt Wahrheit
Während bei Wikipedia objektive Maßstäbe und qualitative Richtlinien (die brühmt-berüchtigten Relevanzkriterien) angewandt werden, steht bei Twick.it der Alltagsnutzen im Fokus. Bei uns entscheiden nicht die Administratoren, sondern die Community, was nützlich ist und was nicht. Während bei der Wikipedia also der traditionelle Experte, der Wissenschaftler, gefragt ist, kommt bei Twick.it auch der Alltagsexperte zu Wort. Jeder erklärt genau das, was er weiß – sein Hobby, Fachbegriffe aus seiner Branche oder die Lieblingsplätze in seiner Stadt. Peter Kruse hat diesen zentralen Unterschied zwischen Wikipedia und Twick.it sehr treffend formuliert: „Ihr müsst nicht wahr sein, ihr müsst nützlich sein.“
Um diese Alltagsnützlichkeit zu erzielen, benötigen wir jedoch eher 10 Millionen als 10.000 Erklärungen…
Die Lösung für das Henne-Ei-Problem
Für jedes Thema will die Erklärmaschine die beste von Menschen formulierte und bewertete Definition anbieten. Mit dieser Erwartungshaltung begegnen neue Nutzer der Erklärmaschine – und finden in den allermeisten Fällen … nichts. Eine Möglichkeit die Relevanz zu steigern, ist, den Suchraum, den Bedeutungssphäre einzugrenzen. Unternehmen könnten in diesem Szenario zu wichtigen Multiplikatoren werden, indem sie Fachbegriffe aus ihrer Branche erklären und so ihren Endkunden einen klaren Mehrwert bieten. Unmittelbar wäre eine hohe Relevanz für einen kleinen Themenbereich gegeben.
Verständlichkeit statt Fachchinesisch
Vorteil für den Kunden: Sie verstehen, wovon geredet wird. Vorteil für die Twick.it-Nutzer: Die Masse und Dichte an Erklärungen in einer bestimmten Nische. Das schafft einen klaren Mehrwert – und zwar für alle. Finanzbegriffe wie Abbuchungsauftrag, Abfindungsgeld und Abfertigungsgeld sind ja nicht nur für Nutzer einer bestimmten Bank relevant, sondern für jeden Arbeitnehmer.
Wettbewerb um Deutungshoheit
Natürlich wird in der hart umkämpften Welt kein Unternehmen einem Wettbewerber die Deutungshoheit überlassen wollen und im besten Fall eigene Definitionen ins Rennen schicken. Wir hätten genau das erreicht, was wir wollen – einen Wettkampf der Erklärungen, bei dem die Community mit dem Daumen über Sieg oder Niederlage, für Alltagsnutzen und gegen unverständliches Geschwafel entscheiden. Schöner Nebeneffekt: Die Qualität der Twicks sollte erwartungsgemäß überdurchschnittlich hoch sein, da das erklärende Unternehmen durch den Kompetenz-Nachweis einen positiven Image-Effekt anstrebt.
Was meint ihr zum Henne-Ei-Problem? Wie können wir noch mehr „Alltagsexperten“ für die Erklärmaschine begeistern? Oder sollen wir erst mal versuchen gemeinsam mit Unternehmen, in Nischen Relevanz zu erzeugen?
Die weiteren Twick.it-Interviews mit Peter Kruse findest du in unserem YouTube-Kanal TwickitTV.
Schlagwörter: Alltagsexperten, Alltagsnutzen, Peter Kruse, Relevanz, Web 2.0, Wikipedia
Euch verstaerkt an Unternehmen zu wenden, ist glaube ich keine gute Idee. Ruckzuck kriegt Twick.it den Anstrich eine Werbeplattform zu werden und verliert Glaubwueridgkeit. Denn Werbung ist ungefaher das Gegenteil von Nuetzlichkeit.
Ich blaibe bei meiner Einschaetzung: Der Twick.it-Nutzer braucht mehr Feedback. Bis auf ein paar anonymen Daumen bekomme ich von anderen Twick-.it-Nutzern oder von soetwas wie einer Twick.it-Community nichts mit. Fuer *Social* Web ist das etwas wenig.
Oh nein! Die Twick.it Erfinder bekommen $-Zeichen in den Augen, das finde ich absolut unsympatisch. Wo bleibt die Bodenhaftung? Was erwartet ihr von einem Unternehmensberater auch anderes als einen solchen Ratschlag! Das sieht mir alles nach wildem Aktionismus aus. Wartet doch erstmal weitere 2 Monate ab wie sich TwickIt entwickelt, bevor ihr die Idee "verscherbelt".
Bleibt doch etwas gelassener und macht euch nicht so einen Erfolgsdruck. Ihr seit doch keine Manager eines Großkonzerns. Die verhalten sich ja oft so, dass sie gerne die halbe Belegschaft rauswerfen, um wenigstens etwas zu tun. Mein Rat: Lieber noch mal entspannt zurücklehnen und ein gesundes und nicht ein erzwungenes Wachstum anstreben!!!
Hallo norro, hallo Lutz,
vielen Dank für euer Feedback.
@norro:
Keine Angst, die Diskussions-Plattform ist nicht in Vergessenheit geraten. Die konzeptionelle Vorarbeit ist jetzt so weit erledigt (siehe Foto ). Nur an der Umsetzung happert's noch ein wenig. Es gibt einfach zu viele Baustellen und momentan verschlingen Geokodierung von Twicks, mobile Anwendungen und eine Augemented Reality Anwendung (http://twick.it/blog/de/was-ist-augmented-reality/) jede Menge Zeit. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Deine Bedenken, dass die Erklärmaschine zu einer Werbemaschine werden könnte, kann ich gut nachvollziehen. Möglich wäre das schon jetzt. Einige Beispiele zeigen glücklicherweise, dass die Nutzer dies schnell abstrafen. Hat ein Unternehmen aber Know-How und möchte dies nach außen darstellen, spricht ja nichts dagegen. Wenn der Link auf die firmeneigenen Homepage geht, ist dies für mich sogar in Ordnung. Voraussetzung ist aber, dass die Zielseite auch wirklich weiterführende Infos enthält und nicht plumpe Werbung ist.
@lutz:
Danke für den Schuss vor den Bug. Um eben nicht die Bodenhaftung zu verlieren, stellen wir unsere Pläne immer sehr transparent dar. Und keine Angst; die Dollarzeichen stehen noch nicht in den Augen. Wir haben Prof. Kruse auch nicht in seiner Funktion als Unternehmensberater aufgesucht. Erstens sind wir ja gar kein Unternehmen und zweitens hätten wir uns das auch nach langem Sparen nicht leisten können. Er fasziniert uns als Persönlichkeit und Vordenker des semantischen Webs. Seine Überlegungen zur Komplexitäts-Reduzierung sind der Twick.it-Idee auch nicht ganz unähnlich. Wir waren einfach neugierig und wollten ihn mal kennenlernen. Für ihn kann ich nicht sprechen, aber ich denke die Einladung nach Bremen zeigt, dass dieses Interesse beidseitig bekundet wird. Jeder, der einmal die Chance hat, ihn zu treffen, sollte sich ein Gespräch über autogenes Training, Schwanzvergleich im Internet und Orchideen-Arten nicht entgehen lassen. Ein spannender und interessanter Gesprächspartner.
Der "wilde Aktioniismus" entspricht unserem Motto "scheitere schneller". Das bedeutet nicht, dass wir das Projekt mit aller Macht gegen die Wand fahren wollen. Vielmehr müssen wir stets im Auge behalten, dass wir jede Menge Zeit (vorwiegend nachts) in das Projekt stecken. Wir sind unheimlich stolz darauf, was wir gemeinsam mit 750 Nutzern erreicht haben. Bei dem jetzigen Wachstum erreichen wir die 1 Mio Twicks aber erst in 10 Jahren. Und Masse braucht die Plattform nun einmal, um als Nachschlagewerk nützlich zu sein. Insgeheim habe ich aber die Hoffnung, dass mein Ziel, mal wieder ohne Nachschicht ausschlafen zu können, schneller erreicht wird ;.)
Die Überlegung Firmen anzusprechen bedeutet übrigens nicht, dass wir Kohle dafür bekommen. Würden wir so denken, würden wir Twick.it als firmeninterne Software verticken und uns mit teuren Beraterverträgen eine goldenen Nase verdienen. Ich gebe zu, dies ist eine von 100 Richtungen ($$$), in die wir denken, aber die primäre Idee ist die, dass Firmen einfach ihr Wissen teilen. Wa sbekommen wir dafür? Nix; außer Twicks. Wer könnte Technik/Produkt/Dienstleistung XY besser erklären als das Unternehmen, das sie anbietet. Wenn dann noch ein Wettkampf entsteht, der andere anspornt, es besser zu machen, haben wir alle was davon. Nämlich die bestmögliche Erklärung.
@norro Keiner will einen weiteren Webkatalog. Dafür haben wir ja Nutzer, die das mit Daumen runter abstrafen.
@lutz Mir geht es nicht um Geld, sondern um die Idee. Es geht mir darum, Twick.it nach vorne zu bringen, den Nutzen für alle zu verbessern und darum höre ich allen konstruktiven Vorschlägen zu: auf Diskussionsforum ebenso wie die Idee Unternehmen an den Erklär-Duellen zu beteiligen. Und dann diskutieren wir hier darüber
[...] wie man es in einem TV-Beitrag im twick.it YouTube-Kanal zu hören bekommt. Empfehlenswert ist das Interview mit Peter Kruse, der den Aspekt der Nützlichkeit in den Vordergrund [...]
[...] Gespräche mit Peter Kruse haben uns darin bestätigt, dass wir mit der Idee von Twick.it den richtigen Weg eingeschlagen [...]




