Der Erfinder des WWW Tim Berners-Lee und andere Wissenschaftler wie Clay Shirky sind überzeugt, dass die zunehmende Datenflut nur durch ein Semantic Web nutzbar gemacht werden kann. Semantic Web ist ein Schlagwort für ein Internet, dessen Inhalte bedeutungsvoll sind – und zwar nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen.
Semantic Web = Web 3.0?
Da sich der Begriff Semantic Web nicht besonders sexy anhört, reden viele lieber vom Web 3.0 Damit wird versinnbildlicht, dass es sich um eine Weiterentwicklung, eine neue Stufe des Internet handelt. Die Journalismus-Studentin Kate Ray hat darüber gerade eine sehenswerte Dokumentation ins Netz gestellt. Darin kommen viele Vordenker des Semantic Web, wie Tim Berners-Lee und Clay Shirky zu Wort. Sehr sehenswert, wie ich finde.
Ziel des Semantic Web
Im Buch „Semantic Web – Wege zur vernetzten Wissensgesellschaft“ schreiben Klaus Tochtermann und Hermann Maurer: „Die grundlegende Idee [des Semantic Web] besteht darin, Inhalte im Web so anzureichern, dass sie nicht nur für Menschen verständlich sind, sondern auch von Maschinen zumindest soweit erfasst werden können, dass Automatisierung auch auf der Ebene der Bedeutung möglich wird.“ Leider ist das nicht so ganz einfach.
Semiotik statt Semantik
Wenn man über Bedeutung (Semantik) reden will, muss man nämlich zuerst über Semiotik reden. Wenn ich mich recht an mein Studium erinnere, besagt die Lehre der Semiotik, dass jedes Zeichen untrennbar mit dem Bezeichneten (Gegenstand) und dem Interpret (Referent) verbunden ist. So weit, so gut. Jetzt muss man sich noch auf universelle Standards für die Metadaten einigen und schon kann man eine Ontologie entwickeln. Was?!
Ontologien: die Bausteine des Semantic Web
Eine Ontologie kann vereinfacht als „Begriffswelt“ bezeichnet werden. Es ist also nichts weniger als ein gemeinsames Modell, um die Wirklichkeit zu interpretieren. Laut Andreas Blumauer und Tassilo Pellegrini sind Ontologien die „zentralen Bausteine des Semantic Web: Mit ihnen kann Wissen einer Domäne formal repräsentiert und prinzipiell unabhängig von Programmen verwendet werden. Sie beschreiben also Konzepte und ihre Beziehungen innerhalb einer Wissensdomäne und unterstützen Maschinen dabei, Inhalte im Web interpretieren zu können, [...].“
Das Einfache ist das Schwere
Jetzt kommt der schwerste Punkt des Semantic Web – die Einfachheit. Wenn man die Komplexität der Semiotik verinnerlicht, universelle Standards für Metadaten etabliert und umfassende Ontologien geschaffen hat, muss das, was hinten dabei rauskommt, so leicht sein, dass es Menschen wie du und ich auch in der täglichen Praxis nutzen können – ohne Mehraufwand. Das ist ziemlich unrealistisch. Im Film Web 3.0 von Kate Ray kommen die Zweifel an der Realisierbarkeit des Semantic Web auch deutlich zur Sprache.
Warum ich über Semantic Web schreibe?
Weil es interessant ist und weil wir mit den semantischen Algorithmen von Twick.it schon die ersten Schritte auf der „Semantischen Treppe“ erklimmen: Glossar, Folksonomy, Taxonomie, Thesaurus, Topic Map. Ansätze davon passieren bei der Erklärmaschine täglich – fast nebenbei. Vielleicht können wir mit unseren Erklärungen einen bescheiden Beitrag zu mehr Ordnung im Datenchaos liefern. Das wäre doch schön.
Schlagwörter: Ontologien, Semantic Web, Semantik, Semiotik, Web 3.0
[...] wird. Vor allem weil der Fokus auf Wissensmanagement gelegt wurde, was durchaus als Vorstufe des Semantic Web zu deuten ist. Vielen Dank an Veit Mathauer für sein Engagement. Schlagwörter:Community, [...]




