Wie 140 Zeichen die Welt verändern
„Die Begrenzung [...] auf das Wesentliche schärft die Sprache. Jedes Wort, jedes Zeichen kann schon zu viel sein. [...] Manchmal sagt auch ein einziges Wort alles. Es sind Skizzen der Befindlichkeit, Momentaufnahmen, Stichwörter. Schlagworte. Und doch sagt es alles aus, was man will. Es gibt wahre Meister darin. …“
Cem Basman (@cemb) über Twitter, zitiert in Twitter, S. 26
„[...] irgendetwas machen diese 140 Zeichen mit der eigenen Kreativität. Man kann Geschichten damit aufschreiben, Witze erzählen, steile Thesen formulieren und politische Statements in die Runde rufen. Und vieles ist so dicht und so intensiv, dass es zu kleinen poetischen Einheiten wird: Unter dem Druck der 140 Zeichen zu Diamanten gepresste Alltagskohle.“
Michael Seemann (@mspro) über Twitter, zitiert in Twitter, S.35
In der Kürze liegt die Würze:
Nach diesem Prinzip zwingt Twick.it Nutzer dazu Beschreibungen sehr prägnant zu formulieren.
- Bei jedem Wort muss der Twicker überlegen, ob es für die Erklärung des Themas relevant ist. Durch den notorischen Platzmangel hinterfragt man sich selbst, was man unter einem bestimmten Begriff eigentlich versteht und entdeckt staunend, wie diffus Denken und Sprache eigentlich sind.
- Unnötige Füllwörter und unlesbare Substantiv-Kombinationen werden vermieden – andere User wiederum schreiben nur in Substantiven, um die Tag-Cloud zu manipulieren
- Erfahrene Twicker versuchen vorauszuahnen, welche Schlagworte am häufigsten mit dem Thema in Verbindung gebracht werden.
- Versucht man, einen bereits erfolgreichen Twick zu verbessern, stößt man schnell auf folgendes Problem: Wer entscheidet darüber, welche Begriffe für ein Thema relevant sind?
- Die vielleicht zentrale Frage lautet: subjektiv oder objektiv?
Beispiel Säugling
Zum Beispiel las ich folgenden Twick über Säugling:
„Kleinkind bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres.“
Das löste folgende Überlegungen bei mir aus.
- Woher kommt der Begriff „Säugling“? Wahrscheinlich von „Säugetier“ oder „Saugreflex“. Also sollten in der Beschreibung nicht nur „Menschen“, sondern auch „Tiere“ erwähnt werden – selbst wenn das Wort im täglichen Sprachgebrauch nicht dafür eingesetzt wird.
- Das Wort „Kleinkind“ beschreibt laut Wikipedia ein menschliches Kind, welches bereits das 1. Lebensjahr vollendet hat. Der Begriff „Kleinkind“ ist also irreführend.
- Zum Thema „Säugling“ erscheint mir der Begriff „Mutter“ sehr relevant. Das sollte in meinem Twick vorkommen.
- Außerdem sollten die Verben „stillen“ oder „säugen“ als Schlagworte verwendet werden.
- Säugetiere und Menschenkinder werden unterschiedlich lange gesäugt. Da eine konkrete Altersangabe schwer zu treffen ist, wählte ich statt „erstem Lebensjahr“ das Adjektiv „jung“.
Aus diesen Überlegungen entstand folgender Twick zum Thema Säugling:
„Mensch oder Tier, das noch von einer Mutter gesäugt, gestillt wird. Junges Säugetier“
Nun muss der nächste Nutzer zwischen diesen beiden Beschreibungen abwägen. Unbewusst fließen dabei Vorüberlegungen der anderen Beschreibungen mit in die eigene Formulierung ein und führen hoffentlich zu einer Verfeinerung.
Der nächste User (eine zweifache Mutter) hat zum Beispiel mit „Säugling“ nur Menschen in Verbindung gebracht und formulierte: „Mensch im ersten Lebensjahr.“
Zwei von drei Twicks enthalten jetzt den Begriff „Lebensjahr“, der somit (vorläufig) in der Schlagwort-Wolke angezeigt wird. Aber ist dieser Begriff für die Masse der Twickit-Nutzer wirklich relevanter als „Muttermilch“ oder „Saugreflex“, oder „Baby“ oder „neugeborenes Kind“? Man wird sehen…
Schlagwörter: 140 Zeichen, Cem Basman, Michael Seemann, Twitter
[...] besten überzeugt man sich einfach auf der Site selber über Nutzen und Möglichkeiten [...]
[...] eines Twicks ist, in 140 Zeichen die notwendigsten Fakten verständlich zu präsentieren. Darum bin ich kein großer Freund von Abkürzungen. Es spricht [...]
[...] nach denen man üblicherweiße bei wikipedia suchen würde im Kurzformat (140 Zeichen) erklärt. Wie 140 Zeichen die Welt verändern, heißt es im erstem Blogbeitrag des im Juli gestarteten Startups. Seht selbst, ich denke das [...]




