Wikipedianer Jakob Voß hat in einem Blog-Eintrag vor kurzem fundamentale Kritik an Twick.it geübt. Sein Vorwurf lautet: „Naja so richtig verstanden hat Twick.it das Web 2.0 Prinzip aber auch nicht: Die Nutzer sind leider bisher weniger gleichberechtigte Partner sondern in erster Linie Datenlieferanten und die Möglichkeiten zur Community-Bildung sind beschränkt.“ Autsch. Das saß.
Also habe ich folgendes geantwortet:
- Das Ziel war nicht ein neues Mini-Wikipedia aufzubauen, sondern etwas Eigenständiges.
- Twick.it-Nutzer sind keine Datenlieferanten, sondern Sinnstifter! (Semantik-Web)
- Die Plattform schränkt die Nutzer stark ein. Ja. Das hat zwei Gründe: Erstens sollte die Erklärung im Fokus stehen, nicht die Diskussion. Zweitens ist die technische Beschränkung für die Usability von Twick.it essentiell wichtig.
Ziel war es, eine Enzyklopädie zu schaffen, die so einfach ist, dass wirklich JEDER damit klar kommt. Und die – wenn möglich – OHNE ausufernde Relevanzkriterien und OHNE Administratoren auskommt. Womit wir wieder beim ersten Punkt angekommen wären. Twick.it will kein Wikipedia sein!
Denkfehler: Wikipedia = Web 2.0
Ich glaube, der Erfolg von Wikipedia hat dazu geführt, dass viele Wikipedianer Web 2.0 mit dem Wiki-Prinzip gleichsetzen. Das ist aber nicht so. Noch viel erfolgreicher sind nämlich Mitmach-Netzwerke wie Facebook, MySpace oder StudiVZ und Mitteilungs-Plattformen wie YouTube, WordPress, FlickR oder Twitter. Immer geht es um Kommunikation. Es geht um Menschen, die sich mitteilen oder Daten teilen.
Was ist das Wichtigste im Web 2.0?
Die Antwort ist banal: Das Wichtigste auf einer Mitmach-Plattform sind die Nutzer. Bei Twick.it bestimmt allein der Nutzer, was relevant ist und was nicht. Damit unterscheiden wir uns fundamental von Wikipedia und andern Enzyklopädien. Nicht umsonst lautet der erste Satz unserer Charta: „Wir, die Nutzer von Twick.it, haben ein gemeinsames Ziel: Eine Erklärmaschine zu schaffen, an der sich jeder beteiligen und die jeder nutzen kann.“ Danach folgt eine Auflistung von Werten, die sich die Community auf die Fahnen geschrieben hat. Zum Beispiel:
- Wir respektieren die Meinung des Einzelnen.
- Wir respektieren das Urteil der Masse.
Konzept, Relevanzkriterien und Charta von Twick.it entsprechen alle dem Web 2.0-Prinzip. Wir setzen auf Offenheit, Dialog und vertrauen unseren Nutzern. Davon könnten sich andere Enzyklopädien eine Scheibe abschneiden…
Mashups statt Wiki
Kaum eine der bekannten Web 2.0-Plattformen lässt die Nutzer über die Technik und deren Weiterentwicklung entscheiden. Da ist Wikipedia ein Sonderfall. In der Regel setzen Social Networks auf eine offene Schnittstelle, damit die Daten für Mashups weiterverwendet werden können. Denn so kann der Nutzer die Plattform für seine individuellen Bedürfnisse ausnutzen. Beispielhaft ist das Twitterversum, über 400 Anwendungen, die sich in kurzer Zeit rund um Twitter angesiedelt haben. Auch Twick.it unterstützt Mashups mit einer API und einem WordPress Plugin und will das gesammelte Wissen mit anderen Daten kombinieren und verbreiten.
Was sind die Prinzipien von Web 2.0?
Im Cluetrain Mainfest und dem legendären Artikel von Tim O’Reilly ist eigentlich schon alles gesagt. Kurz zusammengefasst lauten die Prinzipien des Web 2.0:
- Menschen statt Märkte
- Dialog statt Monolog
- Dienst statt Produkt
- Vertrauen in Nutzer
- Nutzung kollektiver Intelligenz
- Long Tail
- Community-Bildung
- Geräteunabhängige Software
- Einfachheit, Hackability
- Tagging/Folksonomy
Bis auf den Punkt Community-Bildung erfüllt Twick.it alle Kriterien, die von O’Reilly genannt werden und daran arbeiten wir auch. Ob Diskussions-Forum oder Webdesign: Das Feedback der Nutzer ist bei der Weiterentwicklung von Twick.it mehr als willkommen und wird so schnell wie möglich umgesetzt. Auch hierin unterscheiden wir uns von etablierten Enzyklopädien.
„Twick.it ist kein Wiki“
Seit der Erwähnung im Basic Thinking Blog werfen uns Wikipedianer immer wieder vor: „Twick.it ist ja gar kein Wiki.“ Richtig. Das hat auch niemand behauptet. Das Wiki-Prinzip – alle Arbeiten an einem Text – ist meines Erachtens keine Notwendigkeit für eine Web 2.0 Anwendung. FlickR, YouTube und Twitter sind ja auch Beispiele für die Verbreitung individueller Inhalte. Wichtig für das Web 2.0-Prinzip ist vielmehr, dass die Daten durch Nutzer bewertet und getaggt werden. Erst durch die semantische Strukturierung wird die Datenflut nutzbar gemacht. Bei Twick.it erfolgen Verschlagwortung und semantische Verknüpfung automatisch. Damit bewegen wir uns von einem einfachen Content Management System (Web 2.0) in Richtung Wissensmanagement (Web 3.0).
Obwohl Twick.it kein Wiki ist, hat es dennoch das gleiche Ziel: Ein Ergebnis zu finden, dass alle gemeinschaftlichen Bemühungen subsumiert. Twick.it ist also – obwohl kein Wiki – durch und durch kollaborativ. Bei uns ist das Ergebnis jedoch kein pseudo-wissenschaftlicher Kompromiss, sondern eine echte Volksentscheidung: „Die Erklärung von Autor XYZ ist die (zurzeit) beste zum Thema XYZ.“
Alles ist vernetzt – auch ohne Hyperlinks
Ein weiterer Kritikpunkt der Wikipedianer lautet: „Ihr habe ja keine Hyperlinks. Wie soll ich Inhalte verknüpfen?“ Das ist altes Redakteur-Denken! Bei Twick.it ist alles mit allem verknüpft! Unserer Algorithmen sorgen automatisch für semantische Verknüpfungen (durch Tag-Cloud und Verwandte Themen). Darüber hinaus kann mit dem Tool Tip eine Erklärung für jeden einzelnen Begriff angezeigt werden.
Auch hier handelt Twick.it nach dem Web 2.0 Prinzip. Nicht der Redakteur gibt den Weg vor, sondern der Leser entscheidet, was er wissen will und die Nutzer entscheiden durch ihre Erklärungen und ihre Wortwahl, welches Thema wie miteinander verknüpft ist. Damit unterscheiden wir uns maßgeblich von Wikipedia und anderen Enzyklopädien.
Vision statt Version!
Einige Wikipedianer fordern eine Versionierung der Twicks. Das ist eine Art Tribut-Merkmal, mit dem angezeigt werden soll, dass eine Erklärung auf einer vorherigen beruht. Meines Erachtens ist das vollkommen überflüssig. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber im Augenblick denke ich so: Ist gibt kein originelles Wissen. Wissen beruht immer auf Konsens. Wissen beruht immer auf einer Basis, die von anderen Menschen geschaffen wurde.
In der Wikipedia wird Wissen oft mit einer Referenz in klassischen Medien gleichgesetzt. Ich protestiere! Wissen ist keine Fußnote (die ohnehin von niemandem gelesen wird). Bei Twick.it ist jede Erklärung teil eines stetig anwachsenden Wissensstroms. Wir können diesen Fluss des Wissens durch den Trendbarometer sichtbar machen. Wozu brauche ich eine Versionierung? Alle Twicks sind doch da. Mit Name und Gravatar des Autors sowie einem Zeitstempel.
Twick.it will kein Mini-Wikipedia sein
Im Artikel „Wikipedia für Doofe“ habe ich beschrieben, was die Unterschiede zwischen Wikipedia und Twick.it sind. Nur kurz zur Erinnerung: Der „Wettkampf der Erklärungen“ ist darwinistisch und durch und durch demokratisch. Wir sind der Überzeugung, dass Prinzip konkurrierender Erklärungen sogar produktiver sein kann als ein Wiki. Durch die Sichtbarkeit des Autors für den Suchenden und den Follow-Link hat jeder Nutzer ein hohes Eigeninteresse, die beste Erklärung zu schreiben. Möge sie gewinnen! Hier geht es um Online-Reputation. Twick.it gibt allen Autoren eine Plattform – auch denen, die nicht studiert haben oder noch keine Referenzen in klassischen Medien vorweisen können.
Deine Band hat erst zwei Fans auf MySpace? Uns reicht das als Beweis. Schreib eine Erklärung, verlinke sie mit deiner Website und sag es deinen Freunden weiter, damit sie für deine Erklärung stimmen. Nichts ist zu unbedeutend für die Erklärmaschine! Das ist vielleicht der wichtigste Unterschied zwischen einem Wikipedianer und einem Web 2.0er.
Eigentlich hat es Wikipedianer Nando Stöcklin in seinem Vergleich zwischen Wikipedia und Twick.it auf den Punkt gebracht: Wir können viel voneinander lernen. Beide. Durch zuhören und miteinander kommunizieren. Das ist das Web 2.0-Prinzip.
Schlagwörter: Community, Enzyklopädie, Web 2.0, Wikipedia
[...] verbindet die enzyklopädische Struktur von Wikipedia mit der Usability von Twitter: In bester Web 2.0-Manier kann jeder mitmachen, Themen erklären und die Erklärungen von anderen Nutzern bewerten. Einzige [...]




